Textsorten Beispiele Deutsch
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Zusammenfassung
Beispiel 1: „Geschichte der Barbie-Puppe“ – Zusammenfassung zu „Barbie lebt“
Der Bericht „Barbie lebt“ von Stefanie Panzenböck, erschienen am 30. Jänner 2019 in der Wochenzeitung Falter, behandelt die Geschichte der Barbie-Puppe und ihre widersprüchliche Bedeutung zwischen Emanzipation und stereotypem Frauenbild.
Ursprünglich geht Barbie auf die deutsche Comicfigur Lilli zurück, die Reinhard Beuthien in den 1950er-Jahren für die Bild-Zeitung zeichnete. Lilli war eine Figur von Männern für Männer und wurde aufgrund ihres Erfolgs später als Puppe hergestellt. Ruth Handler, Mitbegründerin der Firma Mattel, entdeckte die Puppe in der Schweiz und kaufte sie für ihre Tochter Barbara. 1959 kam Barbie unter dem vollen Namen Barbara Millicent Roberts auf den Markt, 1964 erwarb Mattel die Rechte an der Bild-Lilli.
Von Anfang an war Barbie ein großer Verkaufserfolg. Mattel betonte dabei immer wieder ihren emanzipatorischen Charakter: Barbie sollte Mädchen zeigen, dass ihnen die Zukunft offensteht. Sie hatte im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Berufe, etwa als Chirurgin, Stewardess, Sängerin oder sogar US-Präsidentin. In den 1960er-Jahren erschien sie als Karrierefrau, zunächst ohne Ehemann und Kinder. Ken kam erst 1961 dazu, Hausarbeit wurde Barbie anfangs kaum zugeschrieben.
Gleichzeitig wurde Barbie immer wieder kritisiert. Bemängelt wurden vor allem ihre unrealistische Körperform, das vermittelte Schönheitsideal und die Gefahr, dass Mädchen durch das Spiel mit ihr ein problematisches Körperbild entwickeln könnten. Kritikerinnen und Kritiker warfen Mattel außerdem vor, Barbie zwar als vielseitig zu vermarkten, letztlich aber weiterhin Konformität und Perfektion zu verkaufen.
Mattel reagierte mit Veränderungen: Barbie erhielt verschiedene Berufe, unterschiedliche Haut- und Haarfarben sowie 2016 neue Körpertypen – groß, zierlich und rundlich. Dennoch bleibt laut Panzenböck fraglich, ob Barbie wirklich alles sein kann oder ob sie weiterhin ein angepasstes Idealbild vermittelt.
Beispiel 2: „Die Bibliothek der Zukunft?“
Die Welt im Wandel, Bibliotheken inkludiert. Wir verabschieden uns von dem Gedanken, in eine Bibliothek zu gehen und dort in Ruhe und Stille Bücher zu lesen. Die Bücherei der Zukunft sieht anders aus.
Mit dieser Thematik beschäftigt sich ein Bericht mit dem Titel „Bücher, Disco und 3-D-Drucker“ von Lisa Breit, der in der Tageszeitung „Der Standard“ am 7./8. Jänner 2017 publiziert wurde.
In Helsinki sorgt die „Library 10“ für Furore. In dieser Bibliothek kann man nicht nur Bücher ausborgen, sondern auch Songs aufnehmen, Instrumente ausleihen, arbeiten, lernen, basteln, nähen und essen. Kari Lämsä, Leiter dieser Bücherei, spricht sich für einen Ort der Entspannung und Gemütlichkeit aus. Eine Wohnzimmeratmosphäre, in der auch gegessen werden kann, wurde somit geschaffen. Die Bibliotheken befinden sich im Wandel. Sie sollen Orte der Geselligkeit, des Austauschens und Zusammentreffens sein. Regelmäßig finden in der „Library 10“ Konzerte, Diskussionsrunden, Workshops, Seminare und Discoabende statt. Paul Sturges, Wissenschaftler der Universität Loughborough, meint, mit diesem Konzept sei ein dritter Raum geschaffen worden, ein Raum, der weder Arbeitsplatz noch das eigene Heim darstelle.
Solch eine Bibliothek in Österreich – weit gefehlt. Im Alpenland hinter den sieben Bergen ist dieses Konzept etwas vollkommen Fremdartiges. Büchereien sind hierzulande ein Ort, an dem ganz und gar Lautlosigkeit herrscht. Nur das „Stöhnen“ der Buchseiten beim Umblättern kann vernommen werden. Bücher stehen in verstaubten Regalen und wollen ausgeborgt und gelesen werden, doch immer weniger Personen sind aufgrund dieses Konzepts dort anzutreffen. In Helsinki hingegen boomen diese Örtlichkeiten. Bereits eine zweite Zentralbibliothek, die „Central Library Oodi“, öffnete Ende 2018 ihre Pforte. Man hat somit den Nagel auf den Kopf getroffen.
Das Konzept der „Library 10“ sollte als Modell für alle zukünftigen Bibliotheken dienen. Sie bietet ein nahezu unendliches Angebot an Betätigungsfeldern. Musikhören, Drucken, Diskutieren, Arbeiten, Basteln und vieles mehr bringen Menschen zusammen und lassen sie gemeinsam Dinge erleben. Wir befinden uns im Wandel der Zeit, ebenfalls die Bibliotheken, und Österreich sollte auf den Zug aufspringen.
Textanalyse
Beispiel: Daniel Glattauer – „Wurscht“
Daniel Glattauers Glosse „Wurscht“, veröffentlicht 2010 im Sammelband „Die Ameisenzählung. Kommentare zum Alltag“, widmet sich der Untersuchung des Wortes „wurscht“, das in Österreich häufig verwendet wird.
Betrachtet man den formalen Aufbau des Textes, so lassen sich eine Überschrift und vier Absätze, die aus wenigen – hauptsächlich Hauptsätzen – bestehen, ausmachen. Die Überschrift besteht nur aus dem Wort „Wurscht“, dessen Bedeutung dann im Folgenden näher beleuchtet wird. Der Text weist sonst keine Gliederungsmerkmale wie Leerzeilen, Einrückungen oder Zwischenüberschriften auf.
Mit dem Stilmittel der Aufzählung charakterisiert Glattauer die Bedeutung des Wortes „wurscht“, die Ellipse am Ende des dritten Absatzes gibt der Tragweite des Wortes „wurscht“ in unserem Alltag jenes Gewicht, das es laut Glattauer auch verdiene. Um diesem Umstand noch mehr Rechnung zu tragen und die Aufmerksamkeit der Leserschaft zu erhöhen, wiederholt der Autor „wurscht“ häufig. Die alltägliche Verwendung des Wörtchens „wurscht“ wird von Glattauer mittels dialektaler Formulierungen, nämlich „Eh scho wurscht“ und „A scho wurscht“, zum Ausdruck gebracht.
Der Autor nimmt in seinem Text gleichsam Sprachgewohnheiten und die Mentalität der Österreicherinnen und Österreicher aufs Korn. Die Ironie des Textes besteht mitunter darin, dass er das eigentlich umgangssprachliche Wort in gehobener Bildungssprache, zum Beispiel „kausal gesehen“, „sanktionstauglich“ oder „tangiert“, in den Fokus seiner Betrachtung rückt. Metaphern wie „Notbett des Seelenheils“ oder „Druckverband des Gewissens“ sowie Übertreibungen wie die Bezeichnung des Wörtchens als „zementierter Rettungsanker“ unterstreichen diesen ironischen Ton.
Ab Zeile 11 betont der Autor die Wichtigkeit dieses Wortes für jede Situation im Leben der Österreicherinnen und Österreicher, denn „mit wurscht wurschteln wir uns durch alle Lebenslagen.“ Neben den oben bereits genannten Stilmitteln wie der Übertreibung, Metaphern und dem Einsatz von Bildungssprache setzt der Autor mit den Oxymora „nihilistische Lebensbejahung, opportunistische Revolte, gleichmütiger Trotz“ seine ironische Haltung gegenüber diesem Alltagswort und dessen Verwendungsmöglichkeiten fort. Weiters wird die Betonung und Bedeutung des Wortes durch dessen Kursivschreibung hervorgehoben. In den letzten beiden Zeilen schließt sich insofern der Kreis zum ersten Absatz, als Glattauer noch einmal mit der Mischung aus gehobenen und dialektalen Formulierungen die breite Palette von Einsatzmöglichkeiten des Wörtchens zum Ausdruck bringt.
In dieser kurzen und humorvollen Glosse bringt Glattauer seine Gedanken zum Wort „wurscht“ auf den Punkt. Dieses Aufzeigen von Sprachgewohnheiten regt die Leserinnen und Leser dazu an, sich einerseits mit den Besonderheiten ihres Sprachgebrauchs auseinanderzusetzen und andererseits scheinbar Unscheinbares zu thematisieren und ihm das Gewicht zu geben, das es sich verdient.
Textinterpretation
Beispiel: Helmut Heißenbüttel – „Rollenverteilung“
Der Text „Rollenverteilung“ von Helmut Heißenbüttel, 1965 erschienen und 1990 bei Reclam im Sammelband „Kürzestgeschichten“ abgedruckt, ist eine collageartige Momentaufnahme der Gesellschaft.
Der Prosatext ist in neun Absätze gegliedert, die zugleich auch jeweils einen Sinnabschnitt bezeichnen. Jeder Absatz repräsentiert eine Bevölkerungsgruppe, die sich nicht durch Herkunft, gesellschaftliche Schicht oder religiöse Zugehörigkeit definiert, sondern sich aufgrund bestimmter Eigenschaften ergibt. Die Mitglieder dieser hier genannten Gruppen wissen eigentlich gar nichts von ihrer Mitgliedschaft. Sie ist nur der Leserin bzw. dem Leser bekannt. Die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen wird nicht vom Menschen selbst gewählt, sie ergibt sich aus den Umständen, aus seinen Charaktereigenschaften bzw. aus seinen Handlungsmotiven und -zielen.
Wie eine Collage in der bildenden Kunst reiht Heißenbüttel in seinem Text eine Redensart nach der anderen aneinander und baut so ein Bild unserer Gesellschaft auf. Auch wenn der Text schon vor einigen Jahrzehnten verfasst wurde, so hat er durchaus noch seine Gültigkeit. Auch heute noch gibt es die Pechvögel, die „aufs falsche Pferd gesetzt“ haben, bzw. gar nichts für ihr Unglück können – „manche hatten Pech, es ging ihnen belämmert“ –, die Opportunisten, welche „die Konjunktur ausgenutzt“ haben, die Stehaufmännchen, die „gut darüber weggekommen“ sind, die „das Beste draus gemacht“ haben und „mit einem blauen Auge davongekommen“ sind, oder auch jene, die ihren Erfolg nur kurz auskosten konnten und dann in der „Versenkung verschwunden“ sind.
„Rollenverteilung“ kann man auf den ersten Blick sicherlich als sprachlich einfach bezeichnen. Es überwiegt der Anteil an Parataxen, die allesamt mit „und“ bzw. unverbunden aneinandergereiht sind. Auffällig ist, dass es im Text keine Satzzeichen gibt. Stilistisch außergewöhnlich ist, dass es nur Phrasen und Redensarten aus unserem Alltag sind, aus denen dieser gesellschaftliche Befund zusammengestellt ist. Sie sind Teil unserer Umgangssprache und wir verwenden sie tagtäglich, um auf Missstände hinzuweisen, von unserem Glück zu berichten, das Verhalten anderer zu beschreiben, z. B. „außer Rand und Band“ sein und „über die Stränge schlagen“ etc. Dass Heißenbüttel keine Satzzeichen verwendet, kann ein Hinweis darauf sein, dass er diese Bevölkerungsgruppen nicht so scharf voneinander trennen kann und dass Grenzen fließend verlaufen.
Bei einer genaueren Untersuchung des Textes fällt auf, dass die ersten vier Absätze mit „manche“ beginnen, der fünfte dann mit den „Leidtragenden“, dann werden an erster Stelle jene, „die’s angezettelt hatten“, erwähnt. Die letzten Absatzanfänge zeigen dann wieder eine Steigerung, eigentlich eine Reduktion, die sich von „einigen“ über „die meisten“ zu „ein paar“ ausdünnt.
Ganz zur Intention des Autors, die Gesellschaft zu beschreiben, passt die distanzierte Schreibhaltung. Ohne jegliche Emotion handelt Heißenbüttel die Menschen typenhaft ab. Es gibt keine direkten Reden, keinen Konjunktiv, keine Auslassungen, keine offensichtlichen Anspielungen. Nur Phrasen.
In Heißenbüttels Text fehlen die handelnden Figuren und doch stehen die Menschen im Mittelpunkt. Wir stehen im Mittelpunkt. Den Leserinnen und Lesern ist es möglich, sich in diesem Text wiederzuerkennen. Und dieses Wiedererkennen ist – obwohl der Autor selbst keine Wertung vornimmt – durchaus auch als Kritik gedacht. Heißenbüttel hält uns auf subtile Art und Weise einen Spiegel vor.
Es ist außerdem durchaus naheliegend, dass Heißenbüttel hier an den Zweiten Weltkrieg und die Gräueltaten und Vorgänge zur Zeit der Nationalsozialisten erinnern will. Auch damals gab es Menschen, die „außer Rand und Band waren“, „die’s angezettelt hatten“, und auf der anderen Seite gab es die Opfer, die „auf alles gefaßt sein mußten“, und die, von denen „eine Menge auf der Strecke blieb“. Besonders der letzte Absatz legt eine Auslegung in diese Richtung nahe. Heißenbüttel meint, manchen sei „ein Licht aufgegangen“, aber sie alle – und diesen Teil setzt er an das Ende des ersten und zweiten Absatzes, was die Wichtigkeit deutlich macht – hätten „bis heute nichts dazugelernt“. Dieser Text soll uns allen eine Mahnung sein, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.
Erörterung
Beispiel 1: Freiwilligenarbeit
Das freiwillige Übernehmen von Tätigkeiten, die anderen helfen, von denen man selbst jedoch finanziell nicht profitiert, ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Der Einkauf für die ältere Nachbarin oder die Mitarbeit beim Rettungsdienst – das Feld der Freiwilligenarbeit ist so weit, dass es fast unmöglich ist, all diese Facetten einheitlich zu beschreiben. Zu verschieden sind die Tätigkeitsfelder; sie unter nur einem Begriff zusammenzufassen, würde die Charakteristika und Spezifika dieser Bereiche nicht abbilden; deshalb spricht man – etwas vage – vom freiwilligen Engagement. Darunter fällt das ehrenamtliche Bekleiden von Funktionen genauso wie ein freiwilliges Sozialjahr.
Der gesellschaftliche Wert dieser freiwilligen Tätigkeiten liegt auf der Hand. Einerseits erspart sich der Staat Kosten, denn schließlich werden unter anderem die Mitglieder von Freiwilliger Feuerwehr oder Rettung nicht entlohnt und leisten aber Unverzichtbares, wofür sonst Steuergelder verwendet werden müssten. Andererseits ist eine Bevölkerung, die Zusammenhalt auf diese Weise lebt, bestimmt eine, der Frieden wichtig ist und die für Stabilität sorgt. Wenn Rücksicht und Respekt nicht nur Schlagwörter sind, sondern gelebte Realität, wird ein solcher Staat wirtschaftlich und politisch erfolgreich sein. Schließlich hat jede und jeder – neben der persönlichen Befriedigung, etwas Gutes und Sinnvolles geleistet zu haben – auch den Nutzen, in einem erfolgreichen, friedlichen Land zu leben. Die Coronakrise im Jahr 2020 hat gezeigt, dass Freiwilligenarbeit und sozialer Zusammenhalt in einer Gesellschaft sogar Leben retten können.
Wo viel Licht ist, ist aber bekanntlich auch Schatten, sodass selbst freiwilliges soziales Engagement – wenn auch nicht viele – Nachteile mit sich bringt. Ein Argument gegen Freiwilligenarbeit ist, dass die Freiwilligen ausgenützt werden könnten und andere möglicherweise ihren Job verlieren, weil es da jemanden gibt, der diese Tätigkeiten gratis durchführt. Es besteht hier die Gefahr, dass Unternehmen sich mit freiwilligen Hilfskräften nur Abgaben sparen wollen bzw. einer oder einem Freiwilligen gegenüber nicht so strenge gesetzliche Auflagen zu befolgen haben und sie bzw. ihn deshalb einer Person in einem Anstellungsverhältnis vorziehen.
Ein weiterer Nachteil ist die oft unterschätzte finanzielle Belastung bei freiwilliger Arbeit im Ausland, denn häufig fallen Kosten an, die selbst zu tragen sind. So locken viele Organisationen im Internet – vor allem junge Menschen – mit Abenteuer versprechenden Hilfstätigkeiten im Landwirtschafts-, Bildungs- oder Umweltbereich in Asien, Afrika oder Südamerika. Bei genauerer Sichtung dieser Angebote zeigt sich häufig, dass Kost und Logis zwar abgedeckt werden, jedoch enorm hohe „Nebenkosten“ für Flug, Visum und diverse Verwaltungsgebühren anfallen. In diesen Fällen gilt es, sorgfältig zu recherchieren, wie und über welche Organisation man die Freiwilligenarbeit absolvieren möchte.
Diesen Nachteilen zum Trotz zeigt sich allerdings, dass die Vorteile von Freiwilligenarbeit für jede Einzelne und jeden Einzelnen bei Weitem überwiegen. So ist beispielsweise ein freiwilliges Umwelt- oder Sozialjahr ein bereichernder Ausgleich zu Beruf und Ausbildung. Tätigkeiten wie diese geben die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und Erfahrungen auf neuen Gebieten zu sammeln, die sich positiv auf die persönliche Entwicklung und die Bildung des Charakters auswirken. Man erweitert seinen Horizont, denn schließlich erlebt man in der Ausübung dieser freiwilligen Tätigkeiten Dinge, die sich im eigenen Wohnzimmer nicht zutragen würden. Darüber hinaus lernt man sich auch besser kennen und kann seine Fähigkeiten realistischer und besser einschätzen. So erlebt man beispielsweise als Sanitäterin bzw. Sanitäter bei der Rettung viele stressige, manchmal auch gefährliche Situationen, die man im Team aber gut bewältigen kann. Wer solche Situationen gemeistert und sogar Leben gerettet hat, kann stolz und gestärkt aus ihnen herausgehen.
Aber auch für die Karriere ist es sicherlich von Vorteil, wenn man sich freiwillig engagiert (hat). Dieses zusätzliche, unentgeltliche Engagement lässt auf einen verlässlichen Menschen schließen. In einer Salzburger Firma – so war es unlängst in den Medien zu lesen – werden Mitglieder von Feuerwehren und Rettungsdiensten sogar mit einer Prämie belohnt und so motiviert, sich weiterhin zu engagieren.
Stelle ich nun diese Vorteile, wie etwa die Erweiterung der sozialen Kontakte und Kompetenzen, die Stärkung des eigenen Charakters oder das Erlernen neuer Fertigkeiten, den wenigen Nachteilen gegenüber, dann komme ich ganz klar zum Schluss, dass sich eigentlich jeder freiwillig engagieren und die Chance, über sich hinauszuwachsen zu können, nutzen sollte.
Beispiel 2: „Fotografieren“
Besucht man Sehenswürdigkeiten, so trifft man auf Touristen mit Kameras in den Händen, die von den Objekten der Begierde Fotos schießen. Spitzenreiter sind die Asiaten oder kennen Sie einen Chinesen ohne Spiegelreflexkamera? Unentwegt, fast schon unermüdlich, stehen sie vor Attraktionen und machen Fotos von sich und den Gebäuden, um alles festzuhalten.
Doch was sind die Gründe für solch ein Verhalten? Welchen Zweck hat das Fotografieren und inwiefern unterscheidet sich die heutige Fotografie von der in ihrer Entstehungszeit bzw. jener, wie sie noch vor ca. 30 Jahren betrieben wurde?
Susan Sontag, eine amerikanische Schriftstellerin, die im 20. Jahrhundert lebte, beschäftigte sich in ihrem Essay „In Platos Höhle“, abgedruckt in dem Band „Über Fotographie“ aus dem Jahr 1977, mit den Funktionen des Fotografierens.
Die Autorin nennt einige Zweckmäßigkeiten des Fotografierens. Sie erwähnt, dass Geschehnisse im Leben eines Familienmitglieds mittels Kamera festgehalten werden. Speziell Familien mit Kindern halten die einzelnen Lebensabschnitte bzw. besondere Ereignisse, wie beispielsweise die Taufe, der erste Schultag, die Erstkommunion, Geburtstage und Weihnachtsfeiern ihres Sprösslings fest. Es gilt sogar als elterliche Gleichgültigkeit, wenn man nicht fotografiert. Mit Hilfe des Fotoapparats wird eine Porträt-Chronik jeder Familie erschaffen und Bilder zeugen von familiärer Verbundenheit.
Eine weitere Funktion des Fotografierens, die von Susan Sontag erwähnt wird, ist, dass Menschen ihre Vergangenheit mit Hilfe von Fotos abspeichern. Bilder sind somit Zeugnisse eines gelebten Lebens. Sie sind Erinnerungen an eine vergangene Zeit.
Eine Zeit, die man auch nicht vergessen will, ist jene des Urlaubs. Die Kamera ist stetiger Begleiter auf jeder Reise, gleichgültig ob es sich um Vielreisende oder um kleinbürgerliche Urlauber handelt. Doch ist das Fotografieren einerseits ein Mittel, um Gesehenes festzuhalten, so ist es andererseits auch ein Verweigern von Erfahrungen, die man gemacht hätte, wenn man nicht permanent mit der Kamera beschäftigt gewesen wäre. Das Hantieren mit der Kamera mildert nämlich das Gefühl der Desorientierung, welches man in der Ferne oft verspürt. Die eigene Unsicherheit wird durch das Abbilden von Objekten oder Personen minimiert.
Menschen, die in ihrem Alltagsleben ständig unter Stress stehen, neigen dazu, auch im Urlaub nicht ohne Arbeit auszukommen und kompensieren dies mit dem Fotografieren. Sie sind immer auf der Suche nach neuen Motiven, um ihre innere Unruhe auszugleichen.
Susan Sontag beschreibt den Umgang mit Fotographie, wie er noch bis vor ca. 15 Jahren üblich war. Doch in letzter Zeit hat sich enorm viel verändert. Nämlich dahingehend, dass die Kamera als Gerät zunehmend verschwindet, da sie in jedem Smartphone integriert ist und jeder zu jeder Zeit Fotos machen kann. Diese werden bei ach so kleinen Ereignissen geschossen und sogleich via sozialer Medien verschickt, sodass das gesellschaftliche Umfeld derjenigen Person weiß, was diese macht. Wohl aufgrund dieser Tendenz – des sorglosen Umgangs mit Bildern und Daten – trat vor ca. zwei Jahren das neue Datenschutzgesetz in Kraft. Es besagt, dass Fotos nur mit der Einwilligung des Abgebildeten publiziert werden dürfen.
Nichtsdestotrotz sind die zwei wesentlichen Aspekte, die Susan Sontag in ihrem Essay erwähnt, nämlich das Festhalten des Familienlebens und das von Erlebnissen auf Reisen, noch heute aktueller denn je. Touristen fotografieren mittels Handy beinahe jeden ihrer Schritte in der Ferne und Mama und Papa halten fast jeden Augenblick ihres Kindes fotografisch fest.
Um auf Susan Sontags Essay zurückzukommen, in dem sie die Rolle des Hochzeitsfotografen anspricht, so bin ich ebenfalls der Ansicht, dass er auch heutzutage noch bei dieser Zeremonie einen festen Bestandteil hat und sich dies zu früher nicht geändert hat. Bei anderen wichtigen Anlässen, wie zum Beispiel Klassenfotos und Passfotos, ist der Beruf des Fotografen unerlässlich. Hingegen bei Familienfeiern findet man ihn nur noch selten, denn die Anwesenden filmen und fotografieren selbst. Familienfotoalben in Buchform verschwinden zunehmend aus den Regalen der Menschen. Kaum jemand klebt mehr Fotos ein, alle Bilder sind digital gespeichert, geht jedoch der Datenträger verloren, sind auch die Erinnerungen verloren. Dies ist mit Sicherheit ein Nachteil.
Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass der Wert, einerseits der ideelle andererseits der finanzielle sinkt. Früher benötigte man eine Kamera, Filmrollen und ein Fotolabor, um Bilder entwickeln zu lassen. Das alles kostete Geld. Da der Aufwand größer war, schoss man Motive wohl überlegt. Heutzutage wird wahllos fotografiert, denn es ist für jedermann leistbar.
Wohingegen man heute mit Fotos eine Unmenge Geld verdienen kann, ist das Ablichten von berühmten Persönlichkeiten. Paparazzis lauern Prominenten oft stundenlang auf, um das perfekte, aber vor allem das exklusivste Foto zu ergattern. Doch hat das ebenfalls Nachteile, es beeinträchtigt stark das Privatleben dieser Berühmtheiten und führte im Fall von Lady Diana von England zu ihrem Tod, da ihr Fahrer vor Paparazzis flüchtete und einen tödlichen Unfall verursachte.
Resümierend lässt sich festhalten, dass die Fotographie mehr denn je einen fixen Bestandteil im Leben der Zivilbevölkerung eingenommen hat. Fast jeder schießt Fotos von seinen Erlebnissen. Doch diese Momentaufnahmen sind vergänglich, denn so rasch wie sie gemacht werden, werden sie auch wieder vergessen, wohingegen das Fotoalbum von früher eine bleibende Erinnerung darstellte.
Meinungsrede
Beispiel: „Wie Worte wirken!“
Hinweis: Von diesem Beispiel war nur die erste Seite gut sichtbar; die Fortsetzung fehlt im Foto.
Sehr geehrtes Publikum, liebe Schüler und Schülerinnen, sehr geehrte Lehrkräfte, liebe Eltern!
Du Trottel, du Spasti, du Kellerrassel, … diese Begrüßung hat Sie wohl gerade sehr verwundert. Doch wie wirken diese Worte auf Sie?
Eine zunehmende Verrohung der Sprache zeichnet sich schon seit Jahren in unserer Gesellschaft ab. Über diese Problematik schreibt auch Michaela S. Paulmichl in ihrem Bericht „Geht’s noch? Wie Worte wirken“, der in der Onlineausgabe der Tiroler Tageszeitung am 20. September 2016 publiziert wurde. Im Folgenden beziehe ich mich auf diesen Artikel.
Schimpfwörter haben Einzug in den Alltag genommen und deren Verwendung hält beinahe jeder für normal. Es ist kaum noch zu unterscheiden, ob sie ernst gemeint sind oder lediglich als Spaß verstanden werden sollen. Doch die Macht der Worte ist größer als viele denken. Aus diesem Grund haben sich deutsche Lehrer zusammengeschlossen und ein Manifest publiziert, in dem sie auf die zunehmende Aggressivität in der Sprache, nicht nur an Schulen, sondern auch in anderen Lebensbereichen, aufmerksam machen. Sie weisen weiters auf die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung hin und wollen damit Menschen bewusst machen, welche Folgen es hat, wenn Anstand und Respekt verloren gehen.
Wichtig zu betonen ist, dass nicht nur die sozialen Netzwerke für diese Sprache des Hasses verantwortlich sind, sondern auch die Politik und die Medien. Mit aggressiver Sprache einhergehend ist auch aggressives Handeln. Das erklärt die zunehmende Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft. Denn unsere Medien sind voll von täglichen Berichten über Mord, Totschlag, Raub, Terroranschlägen und körperlichen Attacken.
Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Problematik gemacht? Ich eine Menge und möchte Ihnen das anhand einiger Beispiele erläutern. Vor ein paar Tagen wartete ich auf den Zug, dabei konnte ich ein Gespräch zwischen einigen Jugendlichen mitverfolgen. Ein Mädchen hatte laut ihrem Freund einen zu kurzen Rock an und er bezeichnete sie aus diesem Grund als „Schlampe“.
Ein weiteres Beispiel stammt aus meiner Familie. Ich machte zu meiner Schwester vor kurzem die Bemerkung: „Du hast heute eine Frisur wie ein Klobesen“. Daraufhin erwiderte sie: „Du bist ein Trottel!“. Doch in diesem Zusammenhang meinte sie es eher scherzhaft und lachte dabei.
Ein eher trauriges Beispiel ist das eines Bekannten, der in Wien in die Schule geht und nicht nur verbal gehänselt, sondern auch körperlich gemobbt wird, da …