Krisenmanagement / Insolvenz

Ursachen für Krisen

  • externe Ursachen: schwache Konjunktur, starker Konkurenzdruck, steigende Rohstoffpreise, technischer Fortschritt, gesättigter Markt,...
  • interne Ursachen: Finanzlücken, nachlässiges Forderungsmanagement, Führungsstil, Expansionsbestrebungen, Fehler im Marketing, fehlendes Controlling, ...

Interne Gründe für Krisen sind fast immer Managementfehler. Externe Gründe sind viel seltener als interne Gründe für Krisen.

Ablauf von Krisen

Ablauf von Unternehmenskrisen

  • Strategiekrise:
    • strategische Fehleinschätzung
    • Verlust von Marktanteilen
  • Erfolgskrise:
    • Umsatzrückgang
    • Etragsrückgang
    • Überkapazitäten
  • Liquiditätskrise:
    • Liquiditätsprobleme
    • Überschuldung
    • Insolvenz

Controlling zum Erkennen von Krisen

Controlling Strategien

Controllinginstrumente

  • Strategiekrise: Portfolio-Analyse, SWOT-Analyse, Branchenvergleich, Stärken-Schwächen-Analyse, ...
  • Erfolgskrise: Gewinn/Verlustrechnung, Bilanz, Kennzahlenanalyse, ...
  • Liquiditätskrise: kurzfristige Finanzpläne, kurzfristige Leistungsbudgets

Sanierung und Auflösung von Unternehmen

Insolvenz von Unternehmen

Auslöser einer Unternehmensinsolvenz

Auslöser einer Unternehmensinsolvenz

  • Zahlungsunfähigkeit: erhaltene Rechnungen, Löhne, Steuern u. Abgaben können nicht mehr bezahlt werden
  • Überschuldung und negative Fortbestandsprognose: Überschuldung: Vermögen < Schulden; Wenn Überschuldung und negative Fortbestandsprognose vorliegen, ist das Unternehmen insolvent

Einzelunternehmen u. Personengesellschaften

sind bei Zahlungsunfähigkeit insolvent

Kapitalgesellschaften

strengere Regelungen: nicht nur bei Zahlungsunfähigkeit sondern auch bei Überschuldung + negative Fortbestandsprognose

Eine negative Fortbestandsprognose ~ drohnende Zahlungsunfähigkeit in der Zukunft

Liegt ein Insolvenzgrund vor, sind Einzelungernehmer bzw bei Gesellschaften Mitglieder von Organen gesetzlich verpflichtet, bei Gericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen!

Insolvenzverfahren

Insolvenzverfahren

graph TD %% Initial Triggers Start1["Zahlungsunfähigkeit"] --> UI["Unternehmensinsolvenz"] Start2["Überschuldung und negative Fortbestandsprognose"] --> UI %% Main Branches UI --> AM["außergerichtliche Maßnahmen"] UI --> GI["gerichtliche Insolvenzverfahren"] %% Out-of-court measures AM --> MORA["Moratorium (Zahlungsaufschub)"] AM --> AA["außergerichtlicher Ausgleich"] %% Court procedures GI --> SPG["Sanierungsplan genehmigt"] GI --> SPNG["Sanierungsplan nicht genehmigt"] %% Reorganization process SPG --> SV["Sanierungsverfahren"] SV --> EV["in Eigenverwaltung"] SV --> FV["in Fremdverwaltung"] %% Outcomes of reorganization EV --> SE["Sanierung ist erfolgreich"] FV --> SE EV --> SS["Sanierung scheitert"] FV --> SS %% Final results SE --> RB["Restschuldbefreiung"] RB --> RB_TEXT["Unternehmen wird fortgeführt / Schulden erlassen"] SS --> KV["Konkursverfahren"] SPNG --> KV KV --> KV_TEXT["Verkauf, Zerschlagung oder Schließung"] %% Styling style UI fill:#0099da,color:white style AM fill:#00a651,color:white style GI fill:#c2005d,color:white style SV fill:#8dbae5,color:black style RB fill:#005da8,color:white style KV fill:#d24121,color:white

Sanierung

Sanierungsmaßnahmen haben das Ziel, die Existenz des Unternehmens zu retten. Das Mitwirken der Gläubiger ist in allen Fällen notwendig.

Moratorium ~ Zahlungsaufschub

Die Gläubiger gewähren dem Unternehmen einen Zahlungsaufschub, damit es Zeit hat, eine Sanierung durchzuführen.

Außergerichtlicher Ausgleich

Die Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen, damit das Unternehmen überleben kann. Dazu müssen alle Gläubiger zustimmen.

Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung

Das Unternehmen bleibt unter der Leitung der bisherigen Geschäftsführung, die von einem Sachwalter überwacht wird. Das Unternehmen muss einen Sanierungsplan vor Gericht vorlegen. Außerdem muss den Gläubigern eine Rückzahlungsquote von mindestens 30% angeboten werden, die innerhalb von zwei Jahren zurückgezahlt werden soll. Zustimmen muss eine Mehrheit der Gläubiger

Sanierungsverfahren in Fremdverwaltung

Das Gericht ernennt einen Insolvenzverwalter, der die Leitung des Unternehmens übernimmt. Das Unternehmen muss einen Sanierungsplan vor Gericht vorlegen. Außerdem muss den Gläubigern eine Rückzahlungsquote von mindestens 20% angeboten werden, die innerhalb von zwei Jahren zurückgezahlt werden soll. Zustimmen muss eine Mehrheit der Gläubiger

-> Ist das Sanierungsverfahren erfolgreich, erhält das Unternehmen eine Restschuldbefreiung und kann fortgeführt werden. Scheitert das Sanierungsverfahren, wird ein Konkursverfahren eingeleitet.

Konkurs

Konkursverfahren

graph TD %% Initial Application KA["Konkursantrag durch Gläubiger/in oder Schuldner/in"] --> PRU["Prüfung der Voraussetzungen zur Durchführung des Konkursverfahrens"] %% Rejection Path PRU --> ABG["Konkursantrag wird abgelehnt"] ABG --> AMM["Ablehnung mangels Masse\n(Abweisung des Konkursantrags mangels kostendeckenden Vermögens)"] AMM --> EGB["Entzug der Gewerbeberechtigung\n(gilt für 3 Jahre als Gewerbeausschließungsgrund)"] EGB --> KRB["keine Restschuldbefreiung\n(Haftung 30 Jahre)"] %% Acceptance Path PRU --> ANG["Konkursantrag wird angenommen"] ANG --> MVW["Masseverwalter\n(Bestellung eines Insolvenzverwalters, der den Betrieb führt)"] MVW --> ADF["Anmeldung der Forderungen\n(Gläubiger/innen werden aufgefordert, Forderungen anzumelden)"] ADF --> ESF["Entscheidung über Schließung bzw. Fortführung des Unternehmens"] %% Decision Branch ESF --> SWB["Schließung wird beschlossen"] ESF --> FWB["Fortführung wird beschlossen"] %% Liquidation Path SWB --> KVF["Konkursverfahren"] KVF --> VDU["Verwertung des Unternehmens"] VDU --> EDV["Erlöse der Verwertung werden auf die Gläubiger/innen verteilt\n(Konkursquote)"] EDV --> KRB %% Reorganization Path FWB --> SVF["Sanierungsverfahren in Fremdverwaltung\n(Quote: 20% in 2 Jahren, Gläubigermehrheit)"] SVF --> VERF["Verfahren erfolgreich:\nRestschuldbefreiung"] %% Styling style KA fill:#00b0f0,color:white style PRU fill:#99ccff,color:black style ABG border:1px solid #ed7d31 style ANG border:1px solid #4472c4 style AMM fill:#f8cbad,color:black style MVW fill:#b4c6e7,color:black style EGB fill:#f8cbad,color:black style ADF fill:#b4c6e7,color:black style ESF fill:#8e91c2,color:white style KVF fill:#c00000,color:white style KRB fill:#ed7d31,color:white

Rangordung der Forderungen

Zuerst werden die Aussonderungsansprüche, dann die Absonderungsansprüche und zuletzt die Massenforderungen erfüllt.

  1. Aussonderungsansprüche: Der Schuldener ist nicht Eigentümer dieser Vermögenswerte. z.B. Reperaturübernahmen, leihweise überlassene Sachen, Kommissionsware
  2. Absonderungsansprüche: besonders berechtigte Forderungen. z.B. gesetzliches Pfandrecht für Spediteure u. Frachtführer, Hypotheken
  3. Massenforderungen: diese Forderungen entstehen nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. z.B. Kosten des Insolvenzverfahrens, Gehälter für die Zeit der Abwicklung

Insolvenzentgelt: zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags ausstehende Lohn- u. Gehaltzahlungen der Mitarbeiter ist über den Insolvenz-Entgelt-Fonds gesichert, wenn sie ihre Forderungen bei der IEF-Service-GmbH anmelden.

Konkursquote

Konkursquote=Restvermo¨genInsolvenzforderungen\text{Konkursquote} = \frac{\text{Restvermögen}}{\text{Insolvenzforderungen}}

Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz ist für natürliche Personen als auch für Einzelunternehmer

Privatinsolvenz

Zahlungsplan

Schuldner bietet an, einen Teil seiner Schulden in maximal 7 Jahren zurückzuzahlen.

Merkmale:

  • Rückzahlungsquote berechnet sich aus dem voraussichtlichen Einkommen der nächsten 3 Jahre
  • keine Pfändung
  • Mehrheit der Gläubiger muss zustimmen

Abschöpfungsverfahren

Alles Einkommen über dem Existenzminimum wird gepfändet. Dauer ist 5 Jahre

Abschöpfungsverfahren mithilfe eines Tilgungsplans dauert nur 3 Jahre, wenn der Antrag auf Privatinsolvenz innerhalb von 30 Tagen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt wird. Wärenddessen keine neuen Schulden mehr

Freiwillige Auflösung von Unternehmen

Einige Schließungsgründe sind:

  • Ruhestand
  • Tod
  • persönliche Gründe: z.B. Krankheit, Scheidung, ...
  • Pop-up Stores: Form eines Unternehmens, die nur für eine begrenzte Zeit existieren, z.B. für die Weihnachtszeit, ...

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