Themenpool 6: Politische Ideologien, Systeme, Akteure
Absolutismus und Merkantilismus
Absolutismus – Grundidee
Geschichte Buch II, S. 65
- Herrschaftsform der Frühen Neuzeit, besonders 17.-18. Jhdt
- Ein einzelner Herscher beansprucht nahezu unbeschränkte Macht
- Legitimation durch Gottesgnadentum: Der Herscher sei von Gott eingesetzt, Wiederstand ist gegen göttliche Ordnung
- Symbolfigur: Ludwig XIV. von Frankreich, der "Sonnenkönig" (1638-1715), nach seinem Vorbild auch Peter I., für Preußen Friedrich Wilhelm I. Eine aufgeklärtere Form des Absolutismus auch von Joseph II in Österreich.
- Typische Vorstellung: „Der Staat bin ich“ – als Symbol für die Verschmelzung von Herrscher und Staat.
Merkmale des Absolutismus
- Zentralisierung der Macht
- Macht wird beim Monarchen konzentriert.
- Regionale Sonderrechte, Ständeversammlungen und Adelsmacht werden zurückgedrängt.
- Beamtenapparat
- Verwaltung wird professionalisiert.
- Beamte sind dem Herrscher verpflichtet, nicht lokalen Fürsten oder Ständen.
- Stehendes Heer
- Dauerhaft unterhaltenes Militär.
- Dient zur äußeren Kriegsführung und inneren Machtsicherung.
- Hofstaat
- Prunkvoller Hof, z. B. Versailles.
- Adel wird an den Hof gebunden und dadurch politisch kontrolliert.
- Kirche und Religion
- Religion dient oft der Herrschaftsstabilisierung.
- In katholischen Monarchien enge Verbindung zwischen Thron und Kirche.
- Ständegesellschaft
- Gesellschaft ist hierarchisch gegliedert:
- Stand: Klerus (Geistliche)
- Stand: Adel
- Stand: Bürger, Bauern, Arbeiter
- der Kaiser ist über allen Ständen, aber die Rechte und Pflichten sind ungleich verteilt. Der 3. Stand trägt die Hauptlast der Steuern, während Adel und Klerus oft von Abgaben befreit sind.
- Rechte und Pflichten sind ungleich verteilt.
- Gesellschaft ist hierarchisch gegliedert:
Merkantilismus - Wirtschaftssystem des Absolutismus
- Ziel: Staat und Herscher finanziell stärken
- Staat greift aktiv in die Wirtschaft ein
- Grundprinzip:
- Export fürdern
- Importe verringern
- möglichst viel Geld/Edelmetall im Land halten
- Maßnahmen:
- hohe Zölle auf ausländische Fertigwaren
- Förderung eigener Manufakturen
- Ausbau von Straßen, Häfen und Kanälen
- Qualitätskontrolle
- Kololien als Rohstofflieferanten und Absatzmärkte
- in Frankrreich zu Zeiten Ludwigs XIV. unter Jean-Baptiste Colbert
Französische Revolution
- Zeitraum: 1789-1799
- Ursachen:
- Soziale Ungleichheit: Ständegesellschaft mit Privilegien für Adel und Klerus, während der 3. Stand (Bürger, Bauern) die Hauptlast der Steuern trägt
- Finanzkrise: Staatsverschuldung durch Kriege (z.B. Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg) und verschwenderische Hofhaltung
- Aufklärung: Ideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Menschenrechte, Gewaltenteilung
Verlauf – wichtige Phasen
- 1789: Beginn der Revolution
- Einberufung der Generalstände
- Dritter Stand erklärt sich zur Nationalversammlung
- Ballhausschwur: Abgeordnete wollen nicht auseinandergehen, bevor Frankreich eine Verfassung hat
- Juli 1789: Sturm auf die Bastille
- Symbolischer Angriff auf königliche Willkürherrschaft
- Abschaffung feudaler Rechte
- August 1789: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
- zentrale Rechte: Freiheit, Eigentum, Sicherheit, Widerstand gegen Unterdrückung
- Menschen werden als frei und gleich an Rechten geboren beschrieben
- 1791: Verfassung von 1791
- konstitutionelle Monarchie: König bleibt Staatsoberhaupt, aber Macht wird durch Verfassung eingeschränkt
- 1792: Republik und Radikalisierung:
- Abschaffung der Monarchie, Hinrichtung von Ludwig XVI.
- Jakobinerherrschaft unter Robespierre, Terrorherrschaft, Hinrichtung von Robespierre 1794
- 1799: Ende der Revolution, Aufstieg Napoleons
Ära Kaiser Franz Joseph I.
- Herrschaft: 1848-1916 (68 Jahre)
Österreich-Ungarischer Ausgleich 1867
- Habstburgermonarchie wird zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn
- Jede Reichshälfte erhält eigene Regierung und eigenes Paralament
- Gemainsam bleiben:
- Außenpolitik
- Heer
- Finanzen für gemeinsame Angelegenheiten
- Problem:
- Ungarn erhält Sonderstellung.
- Andere Nationalitäten, etwa Tschechen, Südslawen, Rumänen, Ruthenen, fühlen sich benachteiligt.
- Nationalitätenkonflikte werden nicht gelöst, sondern teilweise verschärft.
Untergang der k.u.k Monarchie
- 1914:
- Attentat auf Sarajevo auf Thronfolger Franz Ferdinand
- Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg
- Beginn 1. Weltkrieg
- 1916:
- Tod Franz Josephs
- Karl 1. übernimmt
- 1918: militärischer Zusammenbruch
Republik Österreich in der Zwischenkriegszeit
Entstehung der Ersten Republik
- 1918: Ende der Monarchie, Ausrufung der Republik
- 1919: Vertrag von St. Germain:
- Österreich muss auf alle Ansprüche auf Gebiete außerhalb der heutigen Grenzen verzichten
- Verbot des Anschlusses an Deutschland
- Reparationszahlungen
- Die junge Republik führt demokratische Reformen ein, darunter Frauenwahlrecht (1918), Sozialreformen und eine Verfassung.
Parteienlandschaft der 1920er Jahre
- Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP): ~SPÖ
- Vertretung der Arbeiterklasse
- Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, Arbeitsrechten, Sozialstaat
- Christlichsoziale Partei (CSP): ~ÖVP
- Vertretung der konservativen, katholischen Bevölkerung
- Betonung von Tradition, Familie, Religion
- Großdeutsche Volkspartei (GDVP):
- Befürwortung eines Anschlusses an Deutschland
- Nationalistische und teilweise völkische Positionen
- Kommunistische Partei (KPÖ):
- Radikale Linke, revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft
- Forderung nach Abschaffung des Kapitalismus, Einführung des Sozialismus/Kommunismus
Jede Partei hatte ihre eigene:
- Parteien
- Zeitungen
- Vereine
- Jugendorganisationen
- Sportvereine
- Kulturvereine
- teilweise paramilitärische Organisationen (z.B. Republikanischer Schutzbund der SDAP, Heimwehr der CSP)
Wirtschaft der Zwischenkriegszeit
- Nachkriegswirtschaft: Hyperinflation, Arbeitslosigkeit, Armut
- 1929: Weltwirtschaftskrise verschärft Lage
Rotes Wien
Sozialdemokratisch regiertes Wien von 1918-1934:
- Ausbau der sozialen Infrastruktur: Gemeindebauten, Krankenhäuser, Schulen
Das Rote Wien ist besonders für sozialen Wohnbau und kommunale Sozialreformen bekannt. Es wurden zahlreiche Gemeindebauten errichtet, um die Wohnungsnot zu lindern und die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse zu verbessern. Diese Bauten waren oft mit Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Waschküchen und Grünflächen ausgestattet, um das soziale Leben zu fördern.
Schattendorf und Justizpalastbrand 1927
- Jänner 1927: Schattendorf, Burgenland
- Schießerei zwischen Heimwehr (CSP) und Schutzbund (SDAP)
- 2 Tote, mehrere Verletzte
- Juli 1927: Justizpalastbrand, Wien
- Proteste gegen das Urteil im Schattendorf-Prozess
- Polizei schießt auf Demonstranten, 89 Tote, 600+ Verletzte
Ende der Ersten Republik - Austrofaschismus
- 1933: Geschäftsordnungskrise im Nationalrat
- Dollfuß nutzt Situation, um Parlament auszusetzen
- 1934: Februaraufstand: SDAP versucht, die Regierung zu stürzen, wird aber niedergeschlagen, Sozialdemokratische Partei wird verboten
- 1934-1938: Austrofaschismus unter Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg
- Einparteienstaat, autoritäre Herrschaft
- Verbot aller Parteien außer der Vaterländischen Front
- Unterdrückung von Opposition, insbesondere der Sozialdemokraten und Kommunisten
- 1938: Anschluss an Deutschland, Ende der Ersten Republik
Widerstand im Zweiten Weltkrieg
- Kommunistischer Widerstand: KPÖ wird verboten, arbeitet jedoch im Untergrund weiter, z.B. durch Flugblattaktionen, Sabotage, Unterstützung von Deserteuren
- Sozialdemokratischer Widerstand: SDAP wird ebenfalls verboten, einige Mitglieder schließen sich dem kommunistischen Widerstand an, andere organisieren Hilfsaktionen für Verfolgte
- Katholischer Widerstand
Die Katholische Kirche leistete nicht als gesamtes Widerstand, aber es gab einzelne Priester und Gläubige, die sich gegen die NS-Herrschaft stellten. Einige unterstützten den Widerstand durch Verstecken von Verfolgten, Verbreitung von Informationen oder sogar aktive Teilnahme an Widerstandsgruppen.
Prominente Beispiele
- Franz Jägerstätter: österreichischer Bauer und Kriegsdienstverweigerer, der aus Gewissensgründen den Wehrdienst verweigerte und 1943 hingerichtet wurde. Er wurde 2007 seliggesprochen.
- Weiße Rose: studentische Widerstandsgruppe an der Universität München, bestehend aus Geschwistern Hans und Sophie Scholl sowie weiteren Mitgliedern. Sie verteilten Flugblätter gegen das NS-Regime und wurden 1943 hingerichtet.
- Staufenberg-Attentat: 20. Juli 1944, Versuch von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderen Offizieren,